Bern

Technischer Verkehrszug - das Schwergewicht der Verkehrspolizei

(Bildquelle: Kantonspolizei Bern)

Was gilt es bei einem Transport mit schweren Gütern punkto Sicherheit zu beachten? Ist die Ladung eines Lastwagens ausreichend gesichert? Werden erlaubte Gewichte und vorgeschriebene Ruhezeiten eingehalten? Mit diesen und weiteren Fragen rund um den Schwerverkehr beschäftigen sich die Spezialisten des Technischen Verkehrszuges.

Die meisten von uns sind regelmässig als Fussgänger, Velofahrende oder Autolenker im Strassenverkehr unterwegs und kennen die entsprechenden Regeln. Seltener beschäftigen wir uns mit Lastwagen, Sattelmotorfahrzeugen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Gerade diese Verkehrsteilnehmer bilden im Kanton Bern einen grossen Anteil des täglichen Aufkommens. Für sämtliche polizeilichen Herausforderungen, die sie mit sich bringen, sind bei der Kantonspolizei Bern die Spezialisten des Technischen Verkehrszuges (TVZ) zuständig.

Maschinen…

Im Auftrag des Bundes führt der TVZ auf dem gesamten Kantonsgebiet regelmässig Kontrollen des Schwerverkehrs und der landwirtschaftlichen Fahrzeuge durch. Werden ein oder mehrere Fahrzeuge zur Kontrolle angehalten, nehmen die Fachleute aber nicht nur Bremsen, Reifen und Achsen unter die Lupe. "Geprüft wird auch, ob das jeweils zulässige Maximalgewicht eines Lastwagens oder Sattelmotorfahrzeugs eingehalten wird", sagt Andreas Thönen, Leiter des Kompetenzzentrums Schwerverkehr im Mösli Ostermundigen und stellvertretender Dienstchef TVZ. Werden giftige Stoffe, Chemikalien oder Sonderabfälle befördert, muss dafür eine Bewilligung vorliegen. Ausserdem muss das Gefahrgut korrekt gekennzeichnet und gesichert sein. Zudem muss der Chauffeur über eine entsprechende Ausbildung verfügen.

Ist bei einer Kontrolle die Betriebssicherheit des Fahrzeugs gewährleistet, darf der Chauffeur die Fahrt fortsetzen. «Wenn die Weiterfahrt aber zu gefährlich ist, wird diese verhindert», sagt Thönen. Grünes Licht geben die Mitarbeitenden des TVZ erst dann, wenn an der Ladung alles vorschriftsgemäss ist, das Fahrzeug nach Vorschriften instand gestellt ist und die Weiterfahrt kein Risiko darstellt.

…und Mensch im Fokus

Neben technischen Aspekten interessiert bei einer Schwerverkehrskontrolle auch der Mensch. Genauer gesagt der Chauffeur und das Unternehmen, für welches er arbeitet: Liegt eine Fahrberechtigung vor? Hält sich der Fahrer an die Verkehrsregeln? Hatte er genügend Ruhezeit? Wird dem Chauffeur durch den Arbeitgeber das Einhalten von Pausen und Ruhezeiten ermöglicht? Liegen in diesen Bereichen Gesetzesverstösse vor, rapportieren die Mitarbeitenden des TVZ dies – wie bei anderen festgestellten Widerhandlungen – an die Justiz.

Kolosse in 3D

"Um all diese Dinge zu überprüfen und allfällige Widerhandlungen festzustellen, braucht es nicht nur Fachwissen, sondern auch Gerätschaften", sagt Andreas Thönen. Eines der wichtigsten Hilfsmittel des TVZ ist das Messsystem beim Kompetenzzentrum für Schwerverkehr in Ostermundigen. Dieses besteht aus einer Profilmessanlage und einer Brückenwaage. Die Sensoren unter den Bodenplatten können gesamthaft bis zu 120 Tonnen Gewicht messen. Wenn ein Lastwagen auf die Brückenwaage fährt, rechnen fix installierte Lasergeräte rund um die Anlage in Sekundenschnelle ein 3-D-Modell des Fahrzeugs aus – inklusive genaue Länge, Höhe und Breite. Auf einer Prüfstrasse in der Betriebshalle des Zentrums im Mösli können schwere Fahrzeuge zudem von allen Seiten her auf Herz und Nieren überprüft werden.

Heikle Herkulesaufgaben

Wenn besonders schwere oder grosse Güter auf der Strasse von A nach B befördert werden, ist das im wahrsten Sinne des Wortes eine Herkulesaufgabe. Um für die Durchfahrt im Kanton Bern optimale Bedingungen zu schaffen, werden solche Transporte von Mitarbeitenden des TVZ begleitet. "Dies geschah im Kanton Bern im Jahr 2018 rund 1200 Mal", sagt Andreas Thönen.

Patrouillen regeln jeweils den Verkehr und sorgen dafür, dass der Konvoi nicht durch andere Verkehrsteilnehmer behindert wird – und diese auch nicht gefährdet werden. Falls nötig, wird der Verkehr umgeleitet oder angehalten. Doch der Transport beginnt nicht erst, wenn die Räder rollen, sondern mit der sorgfältigen Planung in Absprache mit den Unternehmen. Auch dies gehört zu den Aufgaben, die der TVZ bei einer Begleitung wahrnimmt. So gilt es beispielsweise abzuklären, wo es Hindernisse wie schmale Gassen, Brücken oder Verkehrsinseln gibt und wie viel Zeit einem Konvoi zum Passieren eines Bahnübergangs zwischen zwei Zugdurchfahrten bleibt. Eine Garantie für einen reibungslosen Ablauf gibt es nicht. Denn der erfahrene Zentrumsleiter weiss: "Auch, wenn alles von A bis Z durchgeplant ist, kann etwas Unvorhergesehenes passieren."

Ermittler fürs Grobe

Gerichtspolizeiliche Aufgaben nehmen die Spezialistinnen und Spezialisten des TVZ nicht nur bei Kontrollen des Schwerverkehrs wahr. Dank ihres Fachwissens können sie auch bei der Ermittlung von Unfallursachen nach Verkehrsunfällen beigezogen werden. "Dies ist häufig dann der Fall, wenn etwa Fahrtschreiberdaten gesichert werden müssen und Fahrzeuge über 3,5 Tonnen involviert sind, die es zu untersuchen gilt", sagt Andreas Thönen.

Für die Sicherheit, aber nicht nur

Durch die Erfüllung all dieser Kernaufgaben leistet der TVZ einen wesentlichen Beitrag zum übergeordneten Ziel, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer auf Berner Strassen zu erhöhen. Gleichzeitig fördert der TVZ durch die Schwerverkehrskontrollen aber auch die Wettbewerbsgleichheit unter den gewerblichen Unternehmen: Gleiche Gesetze auf der Strasse für alle bedeuten auch eine grössere Chance auf gleich lange Spiesse in der Wirtschaft.

Eine Rolle spielt der TVZ diesbezüglich auch bei der Verhinderung von Kabotage-Transporten, die in der Schweiz verboten sind. Um einen Kabotage-Fall handelt es sich dann, wenn Güter- und Personentransporte, die Start und Ziel innerhalb der Schweiz haben, mit Lastwagen oder Reisebussen ausgeführt werden, die nicht in der Schweiz, sondern im Ausland immatrikuliert sind. Auch hier hilft der TVZ, Verstösse aufzudecken und zu ahnden. Festzustellen, ob alles mit rechten Dingen zugeht, ist aber gar nicht so einfach. Dies, weil die Abklärungen über verschiedene Kanäle und Partner laufen. "Wir arbeiten deshalb eng mit den Schweizer Zollbehörden zusammen. Der gegenseitige Informationsaustausch ist dabei zentral", sagt Thönen.