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Thurgau

Kanton Thurgau - Zahl der Straftaten stabil – nochmals weniger Verkehrsopfer

Symbolbild
Symbolbild (Bildquelle: Kantonspolizei Thurgau)

2019 hat die Zahl der Straftaten im Thurgau leicht abgenommen. Es gab weniger Gewalt-, aber deutlich mehr Betrugsdelikte. Die Zahl der Verkehrsunfälle ging nochmals zurück, fünf Menschen kamen auf Thurgauer Strassen ums Leben. In der Polizeilichen Kriminalstatistik wird die verzeigte Kriminalität, in der Verkehrsunfallstatistik werden die polizeilich bearbeiteten Verkehrsunfälle des vergangenen Jahres erfasst.

Weniger Delikte, dank Sonderfaktor

Die Zahl der Straftaten hat im vergangenen Jahr leicht abgenommen: Gemäss Kriminalstatistik 2019 wurden im Thurgau 9'419 Straftaten registriert, das ist gegenüber 2018 eine Abnahme um 351 Delikte oder 4 Prozent. Zu dieser Entwicklung hat allerdings ein Sonderfaktor entscheidend beigetragen: Es geht um die Delikte gemäss Art. 323 StGB "Ungehorsam des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren". Weil Betreibungsämter, Polizei und Staatsanwaltschaft ihr Vorgehen vereinfacht haben, ging die Zahl dieser Straftaten um über 70 Prozent von 645 auf 92 zurück. Ohne die Anpassung wäre die Gesamtzahl der Delikte um 2 Prozent gestiegen. Die Häufigkeitszahl, die Anzahl Straftaten je 1'000 Einwohner, sank von 35.7 auf 34.1. Schweizweit liegt die Häufigkeitszahl deutlich höher, bei 50.6 Straftaten pro 1'000 Einwohner. Leicht gesunken ist die Aufklärungsquote: 41,6 Prozent aller Delikte wurden aufgeklärt, 2018 waren es 45,5 Prozent.

Hohe Aufklärungsquote bei den Gewaltstraftaten

Die Zahl der Gewaltstraftaten ging im vergangenen Jahr um 2 Prozent auf 974 (993) zurück. Bei der schweren Gewalt konnten beide versuchten Tötungsdelikte aufgeklärt werden. Die Zahl der schweren Körperverletzungen stieg von 9 auf 12, auch diese Delikte wurden alle aufgeklärt. Bei der minderschweren Gewalt ist bei den einfachen Körperverletzungen eine Zunahme um 17 Prozent auf 144 Delikte zu verzeichnen, während die Zahl der Tätlichkeiten um 14 Prozent auf 350 zurückging.

Erneut angestiegen sind die Fallzahlen bei der Drohung/Gewalt gegen Beamte: In 17 von 56 Fällen (Vorjahr 15 von 44) waren davon Polizistinnen und Polizisten betroffen. Insgesamt konnten fast 92 Prozent aller Gewaltdelikte aufgeklärt werden – was der Arbeit der Ermittlung, der Fahndung und der Kriminaltechnik ein sehr gutes Zeugnis ausstellt.

Um 9 Prozent zugenommen hat mit 199 (2018: 183) die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Integrität. Die Zahl der Vergewaltigungen sank um 50 Prozent, von 30 auf 15 Delikte. 10 Fälle ereigneten sich im privaten, 5 im öffentlichen Bereich. Die Zahl der Straftaten gegen das Vermögen stieg 2019 um 3 Prozent auf 6'064 (2018: 5'872).

2013 lag die Zahl der Vermögensdelikte noch bei 7'991. Während die Zahl der Raubdelikte von 22 auf 27 anstieg, blieb die Zahl der Einbrüche mit 639 Fällen (637) auf tiefem Niveau stabil. 2013 waren noch 1'164 solche Delikte registriert worden. Deutlich angestiegen ist vergangenes Jahr hingegen die Zahl der Einschleichdiebstähle, von 206 auf 298 Delikte. Erneut gestiegen, um 19 Prozent, ist die Zahl der Betrugsdelikte. Seit 2014 steigt diese Zahl kontinuierlich. Waren 2014 noch 283 Delikte zu verzeichnen, sind es im 2019 bereits 459; eine Zunahme von über 60 Prozent in sechs Jahren. Der deutliche und vor allem anhaltende Anstieg ist grösstenteils auf sogenannte Cyberdelikte zurückzuführen. Dabei handelt es sich um Betrugsdelikte, die mit Hilfe des Internets begangen werden. Zu nennen sind Phänomene wie der sogenannte "CEO fraud" oder der "Boiler room scam" (Anlagebetrug). Besonders viele Delikte sind über Online- Handelsplattformen zu verzeichnen, wobei Geld bezahlt, aber die Ware nicht geliefert wird.

Deutlich weniger Unfälle – Zahl der Todesopfer so tief wie nie zuvor

2019 wurden 1'183 Verkehrsunfälle polizeilich bearbeitet, das ist gegenüber dem Vorjahr (1'292) ein Rückgang um 8,4 Prozent. Die Zahl der Unfälle mit getöteten oder verletzten Personen ging um über 10 Prozent zurück, die Zahl der Unfälle mit Sachschaden nahm um 6,5 Prozent ab. Die Zahl der Schwerverletzten sank von 184 auf 174, die der Leichtverletzten von 528 auf 474 Personen. Nachdem 2018 auf Thurgauer Strassen sieben Personen ums Leben gekommen waren, mussten im vergangenen Jahr fünf Todesopfer registriert werden. Dies ist der niedrigste Stand seit Beginn der Erfassung Mitte der 60er-Jahre. Damit setzt sich die Tendenz von rückläufigen Unfallzahlen und Unfallopfern fort, dies bei immer mehr hier eingelösten Fahrzeugen.

Die Zahl der Verkehrsunfallopfer sank weiter.
Die Zahl der Verkehrsunfallopfer sank weiter. (Bildquelle: Kantonspolizei Thurgau)

Der Trend dürfte auf die verschiedenen Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zurückzuführen sein; auch die Präventionsarbeit der Kantonspolizei, in enger Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt, dem Strassenverkehrsamt und dem Amt für Volksschule sowie polizeiliche Verkehrskontrollen tragen zu mehr Sicherheit auf den Thurgauer Strassen bei. Ein genauer Blick in die Statistik zeigt, dass vier der fünf Personen, die auf Thurgauer Strassen ums Leben kamen, mit dem Fahrrad unterwegs waren, davon zwei mit dem E-Bike. Die Zahl der Unfälle mit Elektrofahrrädern hat im vergangenen Jahr nochmals zugenommen (von 49 auf 52). Dies dürfte damit zusammenhängen, dass immer mehr E-Bikes im Verkehr anzutreffen sind. 23 (20) Personen mit E-Bikes wurden schwer und 28 (28) leicht verletzt.

Die häufigste Unfallursache war die Missachtung bzw. die Erzwingung von Vortrittsrechten. Bei 129 der insgesamt 1'183 Unfälle war die Hauptursache Alkoholeinfluss, im Jahr zuvor bei 104 von 1'292 Unfällen.

Regionalpolizei: Effizienz gesteigert

Für die Regionalpolizei, die schwergewichtig für die Basisversorgung, also für Sicherheit und Ordnung im Kanton Thurgau verantwortlich zeichnet, war 2019 ein besonderes Jahr: Ende März wurden elf kleine Polizeiposten geschlossen. Ein Jahr später kann die Kantonspolizei zu dieser Massnahme eine positive Bilanz ziehen: Die angestrebte Effizienzsteigerung wurde erreicht. Sicherheit entsteht durch sichtbare Polizeipräsenz, kurze Interventionszeiten und durch eine erfolgreiche Ereignisbewältigung. Dank der Postenschliessungen konnten 30 Polizistinnen und Polizisten vermehrt auf den Strassen und in den Quartieren eingesetzt werden, in allen Städten und Gemeinden und zu Gunsten der ganzen Bevölkerung. Mit zusätzlichen Patrouillen am Feierabend und an Wochenendnächten stieg die Gesamtzahl der geleisteten Stunden im Patrouillendienst 2019 um 7 Prozent – obwohl diese Touren erst während ein paar Monaten eingesetzt werden konnten. Das neue Schwerpunktelement deckt ein breites Spektrum von Aufgaben der Basisversorgung ab: Es bearbeitet lokale Brennpunkte, bekämpft Phänomene über einen längeren Zeitraum, führt Kontrolltätigkeiten durch, unterstützt bei Bedarf andere Abteilungen und bildet die taktische Reserve der Regionalpolizei.

Bestandserhöhung im Grossen Rat

Ein weiterer Meilenstein steht bevor: Die Kantonspolizei hat bekanntlich ein Reorganisationsprojekt durchgeführt, und es wurden die aktuellen und künftigen Herausforderungen erhoben. Dabei hat sich klar gezeigt, dass die Kantonspolizei mehr personelle Ressourcen benötigt, um diese Herausforderungen, bei ständig wachsenden Bevölkerungszahlen, erfolgreich bewältigen zu können. Mit dem sogenannten Polizeibericht hat Kommandant Jürg Zingg Mitte 2019 bei Regierungsrätin Cornelia Komposch eine Bestandserhöhung um 91 Polizistinnen und Polizisten beantragt. Der Gesamtregierungsrat hat auf der Basis des Polizeiberichts dem Grossen Rat eine Botschaft zukommen lassen, die im Frühjahr behandelt werden soll. "Nach der positiven Aufnahme dieser für uns so wichtigen Vorlage im Regierungsrat und in der Spezialkommission sehe ich der Debatte im Parlament mit grosser Spannung und mit viel Zuversicht entgegen", sagt Kommandant Jürg Zingg.